ÄÖ-MYTHOS #12: ECHTE ÄTHERISCHE ÖLE OHNE ZUSÄTZE GEFRIEREN NICHT

echte ätherische Öle gefrieren nicht

Mythos #12: ECHTE ätherische Öle ohne Zusätze GEFRIEREN NICHT, weil sie kein Wasser enthalten. Ohne verbliebenes Wasser oder Zusätze sollte ein ätherisches Öl wie Pfefferminze nicht gefrieren.


Dieser Artikel wurde von Dr. Robert Pappas von essentialoils.org verfasst und von mir aus dem Englischen übersetzt.


Die Wahrheit ist, dass JEDES ätherische Öl gefriert (wie jede andere Flüssigkeit auf der Welt auch), wenn die Temperatur tief genug ist – Wasser hat damit nichts zu tun.

Es gibt einige Öle, die in einem haushaltsüblichen Gefrierschrank gefrieren, manche im Kühlschrank, und wieder andere sind schon bei Raumtemperatur fest. Jedes Öl hat einen anderen Gefrierpunkt, und oft kann man die Kristallisation eines einzelnen Bestandteils beobachten, der in reiner Form bei Raumtemperatur ein Feststoff ist.

echte ätherische Öle gefrieren nicht

Wenn also die Temperatur gesenkt wird, ist es nicht ungewöhnlich, dass solche festen Komponenten anfangen auszufällen, wenn ihre Konzentration die Sättigungsgrenze bei der entsprechenden Temperatur überschreitet. In dem lächerlichen Beispiel mit der Pfefferminze, das im Internet von den einfältigen Robotern verbreitet wird, die keine Ahnung von Chemie haben, behaupten sie, dass ein Pfefferminzöl, das in einem Gefrierschrank gefriert, in jedem Fall schlecht sein muss.

Anscheinend verstehen diese Fehlinformierten nicht, dass der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl Menthol ist. Menthol in Reinform ist ein glasartiger Nadel-Kristall (siehe Bild), der in einem Gefrierschrank leicht aus verschiedenen Minzölen auskristallisieren kann, wenn der Mentholgehalt bei einer gewissen Temperatur über der Sättigungsgrenze liegt.

Hoher Mentholgehalt ist typischerweise wünschenswert für ein gutes Pfefferminzöl; Öle mit einem höheren Mentholgehalt haben ein süßeres, reineres Aroma, und neigen eher zur Kristallisation bei niedrigeren Temperaturen. Ein minderwertiges Minzöl mit geringem Mentholgehalt wird in einem Gefrierschrank nicht auskristallisieren, weil das Menthol unter der Sättigungsgrenze bei dieser Temperatur liegt.

Der Mentholgehalt in Pfefferminze liegt zwischen 30 und 50%. Minzöl mit einem Mentholgehalt zwischen 45 und fast 50% kann in einem haushaltsüblichen Gefrierschrank auskristallisieren; billiges indisches Minzöl mit 33% Menthol hingegen, von dem manche MLM-Repräsentanten behaupten, es sei das “gute” Minzöl, kann nicht kristallisieren. Sein Mentholgehalt ist so minder, dass es erst bei einer weitaus tieferen Temperatur fest wird (und das weiß ich sicher, da ich es selbst analysiert habe). Natürlich stellt sich die Firma so dar, als nutze sie nur in den USA gewachsene Pfefferminze, aber zumindest einige Chargen bestanden aus reinem indischen Material, das weniger als die Hälfte von amerikanischer Pfefferminze kostet.

Einige andere bekannte ÄÖ-Komponenten, die bei Gefrierschrank-Temperatur auskristallisieren, sind z. B. Cedrol in Texas-Zedernöl, Menthol in Ackerminzöl, Methyl-Thujat in Riesen-Lebensbaumöl, Nepetalacton in Katzenminzöl und Thymol in Thymianöl, um nur ein paar zu nennen. Einige Öle kristallisieren schon im Kühlschrank.
Bulgarisches Rosenöl etwa hat wachsartige Kohlenwasserstoff-Bestandteile, die fest werden und dem Öl dadurch eine feste, gelatineartige Erscheinung verleihen. Und es gibt sogar einige dampfdestillierte Öle, z. B. das Zdravec-Öl vom Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) und das Wurzelöl der Bleichen Schwertlilie (Iris pallida), die schon bei Raumtemperatur vollkommen fest sind.

Dies sind nur einige Beispiele für Öle, die schon bei quasi alltäglichen Temperaturen fest werden. Aber täusche dich nicht: JEDES ätherische Öl wird an irgendeinem Punkt auskristallisieren – selbst das minderwertige Pfefferminzöl aus dem “falschen” Beispiel; der Gefrierschrank, der in diesem “Experiment” benutzt wurde, kühlte lediglich nicht weit genug herunter – vermutlich wären weitere 10 bis 20 Grad weniger zur Verfestigung nötig gewesen.

Den Leuten, die diesen Unsinn verbreiten, würde ich raten, bei Muskeltests und Zyto-Scannern zu bleiben, und die chemischen Erklärungen denjenigen von uns zu überlassen, die etwas von richtiger Wissenschaft verstehen – ihr werft ein schlechtes Licht auf euch selbst und auf eure Firma.


Dieser Artikel wurde von Dr. Robert Pappas von essentialoils.org verfasst und von mir aus dem Englischen übersetzt. Den Originaltext kannst du hier (klick) nachlesen.

Über den Autor:

Robert Pappas EOUDr. Robert Pappas ist Chemiker und der Gründer, Präsident und Technische Direktor der Essential Oil University (EOU).

EOU hat sich auf GC/MS-Analysen von ätherischen Ölen spezialisiert und verfügt über die weltweit größte Sammlung von Referenzanalysen, Literaturreferenzen und GC/MS Analysen von fast jedem Öl.

Die Essential Oil Chemical Reference Database von EOU kannst du kostenlos nutzen. Das Ziel der EOU-Website www.essentialoils.org ist es akkurate Information und Wissen über ätherische Öle zu vermitteln. Auch auf seiner beliebten Facebook-Seite informiert er über die Welt der ätherischen Öle. Er hat es sich außerdem auf die Fahne geschrieben, mit Mythen aufzuräumen, die seit Jahren über ätherische Öle zirkulieren.


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Welche Mythen über ätherische Öle sind dir schon untergekommen? Ich freue mich auf “Gschichtln” in den Kommentaren unter diesem Blogpost!

Dufte Grüsse, Margareta

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